| Ein Versuch von uns, das eben gelesene zu demonstrieren. Ein Foto mit veränderter Auflösung bei gleicher Bildgröße. |
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| Details wie der Gesichtsausdruck oder die einzelnen Duplosteine, das Teppichmuster usw. sind nicht deutlich erkennbar. Die Gesammtsituation (Niclas sitzt auf dem Fußboden und spielt mit Bausteinen) ist noch erkennbar. |
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Niclas verändert sich täglich und oft sind es kleine Dinge, die uns
auffallen und uns richtig glücklich machen. Ein Spielzeug, bei dem Niclas
eine winzige Kleinigkeit entdeckt, seine Begeisterung Bilderbücher immer
wieder anzusehen, das Interesse an Puzzles bzw. den kleinen Teilen...
Bisher war Niclas immer lichtunempfindlich. So hat er seine Sonnenbrille wirklich
nur dann akzeptiert wenn die Sonne wirklich geblendet hat.
Seit einigen Tagen ist es anders. Als nun die ersten sonnigen Tage kamen,
war Niclas auch dann geblendet, wenn er nicht direkt Richtung Sonne blickte.
Ich startete mal wieder einen Versuch mit der Sonnenbrille und er behielt
sie an. Im Auto, im Schatten und sogar im Geschäft als sein Papa mit
ihm einkaufen war. Nun haben wir Niclas zusätzlich eine Baseballkappe
gekauft, um ihm ein wenig die Sonne aus dem Gesicht zu nehmen. Bisher findet
er sie noch nicht so toll, aber das wird sich sicher noch ändern...
In den letzten Tagen hat Niclas uns wirklich in Erstaunen versetzt. Karneval!
Ich habe mit dem Kleinen einen Ausflug in den Kindergarten gemacht, in dem
ich gearbeitet habe. Wir waren, wie alle anderen auch, verkleidet. In der
Halle lief laute Karnevalsmusik, der Raum war etwas abgedunkelt und jede Menge
verkleidete, laute Kinder liefen kreuz und quer und machten jede Menge Lärm.
Ich ging erst mal mit ihm in den Gruppenraum der gut beleuchtet und ruhiger
war. Niclas sah sich neugierig um und tappte schließlich Richtung Halle
und Richtung Getümmel. Ich ging also mit ihm in die Halle und rechnete
eigentlich fest mit Tränen. Doch ich wurde angenehm überrascht.
Niclas krabbelte schließlich sogar los, blieb jedoch immer so nah, dass
er mich noch sehen konnte. Wir waren über zwei Stunden da und Niclas
fühlte sich sichtlich wohl. Am nächsten Tag fuhren wir noch mal
hin und auch da schien Niclas sich an dem Trubel nicht zu stören. Das
war sonst immer ein Drama gewesen.
Sobald es lauter wurde fühlte Niclas sich unwohl und weinte bzw. schrie
teilweise richtig panisch.
Heute waren wir den Karnevalszug gucken... Niclas hat super durchgehalten.
Laute Musik, laute Schreie ... nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen. Allerdings
hatte ich ihn auch die ganze Zeit auf dem Arm. So hatte er einen besseren
Überblick und ein bisschen mehr Sicherheit, weil er bei seiner Mama war...
Übrigens kann Niclas nun seit ein paar Tagen laufen. Er läuft jeden
Tag ein bisschen mehr und macht das echt toll. Aber noch lieber als laufen
mag er klettern, auf die Coach, aufs Bett, die ersten Versuche die Treppe
hoch zu krabbeln...
Wir sind gespannt wie sich unser Kleiner weiter entwickelt und sind wirklich
sehr optimistisch.
Nun ist Niclas fast 1 ˝ Jahre alt. In den letzten Wochen entwickelt er sich
geradezu rasant. Es ist immer wieder erstaunlich was er alles kann.
Seit Niclas läuft beobachten wir mit Spannung wie er sich zurechtfindet.
In unserer Wohnung war das kein Problem und Niclas nahm jede nur erdenkliche
Hürde (z.B.: enge Durchgänge, unterschiedliche Bodenbeläge,
kleine "Stolperstellen" wie Fußleisten...) Die Treppen in unserem Haus
haben es ihm besonders angetan. Am Anfang krabbelte er die Stufen hoch, hielt
sich am Geländer fest und ging die Stufen vorsichtig wieder herunter.
Wir beobachteten seine Begeisterung mit gemischten Gefühlen. Dabei fiel
es uns zum ersten Mal auf, Niclas sah nicht nach den Stufen sondern er ertastete
sie mit dem Fuß.
Nach einiger Zeit bemerkten wir, dass Niclas an einem Treppenabsatz immer
stehen blieb, auf der Stelle trat und dann weiter ging. Wir haben uns einige
Male gewundert und überlegt, was das wohl bedeutet. Dann merkten wir,
das der Laminatboden an dieser Stelle knarzt und Niclas immer erst dann weiter
ging, wenn er dieses knarzen gehört hatte. Für ihn ist das wohl
ein Zeichen, an dem er erkennt, dass dort ein Treppenabsatz und eben keine
Stufe ist.
In anderen Wohnungen fand er sich auch erstaunlich schnell zurecht. Kennt
er sich noch nicht richtig aus, geht Niclas bei verschiedenfarbigen Bodenbelägen
(z.B. Läufer, andere Fliesen...) auf die Knie um zu tasten ob da ein
Höhenunterschied ist oder nicht. Erst wenn er sich sicher ist das dort
keine Stufe oder ähnliches ist geht er weiter. So findet er sich gut
zurecht. Wenn er ein paar Mal an der entsprechenden Stelle war, kennt er sie
und hat kein Problem mehr damit.
Die ersten Versuche im Freien machte er auf unserem Balkon. Anfangs krabbelte
er nach draußen und stand erst am Geländer auf. Dann ging er dort
entlang. Bis er sich richtig wohl fühlte dauerte es eine Weile. Nun läuft,
krabbelt und spielt Niclas fröhlich lachend und zufrieden auf dem Balkon.
Er fühlt sich sichtlich wohl und sicher.
Der nächste Versuch draußen war der Bürgersteig vor unserem
Haus. Die erste Zeit ging Niclas an einer Hand spazieren und hatte keine Probleme.
Als er dann anfing draußen allein zu laufen staunten wir nicht schlecht,
bei jeder farblichen Veränderung des Bodenbelags ging er auf die Knie
und tastete, um zu erkennen ob es sich um eine Stufe handelt oder nicht. Da
bei uns im letzten Jahr so ziemlich alle Leitungen erneuert wurden, gleicht
der Bürgersteig einem Flickenteppich und weil Niclas noch dazu jedem
stehenden oder fahrenden Auto nach sieht, dauert der Spaziergang die Straße
runter ziemlich lange. Als Mama braucht man dann jede Menge Geduld. Das dass
an manchen Tagen sehr schwierig ist muss ich wohl keinem sagen...
Inzwischen geht Niclas nicht mehr jedes Mal auf die Knie, sondern tastet mit
dem Fuß. Als die ersten Sonnentage kamen, gab es durch Licht und Schatten
noch mehr Farbunterschiede, d.h. unser Spaziergang dauerte noch ein wenig
länger.
Niclas hat einen Weg gefunden sich selbst zu helfen indem er eben im Zweifelsfall
auf die Knie geht. Darüber sind wir ganz froh, auch wenn dieser Weg sehr
Zeitaufwendig ist.
Hinterm Haus haben wir eine große Wiese. Ein idealer Platz zum Spielen.
Leider war Niclas zunächst gar nicht begeistert. Sobald wir ihn auf die
Wiese stellten, lies er sich auf den Boden fallen und weinte. Er ging keinen
Schritt. Wo wir auch hinkamen und der Boden uneben war gab es Geschrei und
Niclas war weder zum Spielen noch zum Spazieren zu bewegen.
Als wir dann eine Rutschbahn bekamen wagte er, wohl von der Neugier getrieben,
die ersten mutigen Schritte auf der Wiese. Nun ist er gar nicht mehr zu halten
und läuft auf der Wiese (und das nicht nur zu Hause) mit Begeisterung
hin und her. Überhaupt scheint er sich nun Stück für Stück
in fremder Umgebung schneller einzugewöhnen. Er erkundet mutig und vorsichtig
jedes Gelände. Allerdings muss man dazusagen, das dass sehr von der Tagesform
abhängig ist.
Ansonsten entwickelt sich Niclas auch sehr gut. Die Feinmotorik wird deutlich
besser. Er versucht nun mit der Gabel zu essen, schafft sogar das Eine oder
Andere aufzupieksen. Er baut seine Ringpyramide, seinen Becherturm, spielt
mit Begeisterung mit jeder Art von Autos (vom Bobby Car bis zum Matchboxauto).
Von Autos und Rädern aller Art ist Niclas besonders angetan. Er liegt
auf dem Boden oder steht am Tisch und schiebt die Autos vor sich her, dabei
scheint er die Räder ganz genau zu beobachten. Hat Niclas ein Auto zum
Spielen, ist er überglücklich.
Leider gibt es auch Erlebnisse, die uns ein wenig traurig stimmen. Bei unserem
Besuch im Kölner Zoo hat Niclas nur sehr wenige Tiere "erkannt". Es waren
drei oder vier Tiere, bei denen wir bei ihm eine Reaktion feststellen konnten.
Er kann uns ja leider noch nicht sagen was und wie viel er sieht. Unsere Enttäuschung
war ziemlich groß...
Vor drei Tagen waren wir in einem Wildpark, haben Rehe gefüttert. Als
die dann direkt vor Niclas am Zaun standen, hat er sie gesehen und auch gefüttert.
Das hat dann ein wenig für den Missglückten Zoobesuch entschädigt.
Zum Thema Sonnenschutz können wir nicht allzu viel sagen. Niclas scheint
nicht sehr empfindlich zu sein. Bisher kamen wir mit Lichtschutzfaktor 30
gut zurecht, aber wir haben auch erst Juni. Da müssen wir mal abwarten
was der Sommer bringt. Wir sind mit Lichtschutzfaktor 60 und auch mit Sonnenschutzkleidung
gerüstet. Eigentlich kann also nichts schief gehen.
Mit dem Gleichgewicht hat Niclas keine Probleme, er ist sehr Kletterbegeistert
(manchmal zu unserem Leidwesen, weil er wirklich überall hochzuklettern
versucht). Meist braucht er gar keine oder nur sehr wenig Hilfe, eher nur
Hilfestellung.
Der Sommer 2001 war für uns der erste "richtige" Sommer mit Niclas und
mit seiner Krankheit. Im Sommer zuvor war Niclas gerade ein halbes Jahr alt,
lag die Meiste Zeit im Kinderwagen und im Schatten.
Dieses Jahr hatten wir Sonnencreme mit LSF 30 und LSF 60, sowie einmal Sonnenschutzkleidung.
So waren wir gut gerüstet und schauten optimistisch dem Sommer entgegen.
Und siehe da, es gab keinerlei Probleme. Wir mieden weitgehend die pralle
Mittagssonne (was kein Problem war, da Niclas meist von 12-15 Uhr schlief)
und kamen an den meisten Tagen mit LSF 30 und normaler Kleidung aus. Niclas
trug den ganzen Sommer mit Begeisterung eine Kappe und seine Sonnenbrille.
Spielte er mal im Planschbecken behielt er meist ein T-Shirt und eine Kappe
an. Gewaschen haben wir übrigens den ganzen Sommer mit dem Frosch UV-Waschmittel.
Aber uns fehlen die Vergleichsmöglichkeiten mit/ohne...
Im Schatten konnte man Niclas natürlich nicht lange halten (aber welcher
11/2 Jährige ist wohl dazu zu überreden???). Da half nur mehrmals
cremen und die Zeit in der Sonne ein wenig begrenzen. Die Meiste Zeit verbrachten
wir am Vormittag und am späten Nachmittag draußen.
Der Sommer war wirklich rundum Problemlos. Niclas zeigte sich als wenig empfindlich
was die Sonne angeht und so war die Sache für uns recht einfach.
Im Laufe des Jahres stellten wir bei Niclas einen Entwicklungsrückstand
fest. Der betraf die Motorik und Feinmotorik, was uns aufgrund der Sehschwäche
und der verzögerten visuellen Reifung einleuchtend erschien. Sein Sprachverständnis
und die Sprachentwicklung machten uns weit größere Sorgen. Niclas
verstand schon einfache Sätze nicht, er plapperte zwar jede Menge, aber
kein einziges richtiges Wort, nur dieses Babyplappern. Ganz selten sagte er
mal Mama, aber das auch nicht oft zielgerichtet. Im Oktober hatten wir dann
einen Termin im Kinderzentrum München. Dort wurde Niclas von einem Kinderarzt
untersucht. Eine Genetikerin sah sich den Kleinen auf auffällige Merkmale
an. Es wurden ein EEG und ein Hörtest gemacht. Außerdem beschäftigte
sich eine Psychologin sehr eingehend mit Niclas. Sie machte einen Entwicklungstest,
wobei sie sehr auf unsere Angaben einging und sie sich sehr viel Zeit für
Niclas nahm und ihn im Spiel genau beobachtete. Auch die Untersuchung beim
Kinderarzt verlief sehr ruhig und spielerisch. Für unseren Kleinen Schatz
war das so relativ angenehm, obwohl der Tag im Kinderzentrum natürlich
auch stressig war.
Niclas Entwicklungsrückstand belief sich in verschiedenen Bereichen zwischen
6 und 9 Monate. Organische Ursachen konnten dafür keine festgestellt
werden. Der Verdacht auf einen Herzfehler wurde wenige Tage später von
einem Kinderkardiologen ausgeräumt. Für uns hieß das, Niclas
weiterhin sehr genau zu beobachten und ihn weiter so fördern wie wir
es bisher im privaten Rahmen taten. Ggf. sollten wir ein Jahr später
noch einmal zu einer Verlaufkontrolle kommen.
Nach einiger Zeit konnten wir feststellen, das Niclas kleine Fortschritte
machte und ende des Jahres kamen die lang ersehnten ersten Worte.
Ebenfalls im Oktober bekamen wir Besuch aus Japan. Eine Deutsche Familie lebt
seit einiger Zeit dort. Ihre jüngste Tochter Lydia (ein Jahr jünger
als Niclas) ist ebenfalls von Albinismus betroffen. Über NOAH und über
unsere Homepage sind wir in Kontakt gekommen. Seit einiger Zeit schreiben
wir uns und bei einem Deutschland Besuch kamen uns Mutter und Tochter für
2 Tage besuchen. Für uns war es sehr interessant mal ein anderes kleines
Kind mit Albinismus zu erleben und unsere Erfahrungen auszutauschen und weiterzugeben.
Auch sehr spannend war den Unterschied in der Entwicklung zu sehen. Lydia
hatte ihre erste Brille mit ca. 3 Monaten bekommen und Niclas erst mit 8 Monaten.
Lydia war in ihrer Entwicklung deutlich weiter als Niclas in ihrem Alter.
Für uns alle war das Wochenende wirklich schön und es hat uns gefreut,
das wir zeigen konnten wie wir einfach mit Kleinigkeiten Niclas in seinem
Alltag helfen.
Pünktlich zu heilig Abend fiel bei uns der erste Schnee. Wir fanden das
zur weihnachtlichen Stimmung wirklich passend und mein Mann der ein echter
Schneefan ist (Juchu ich geh mal schnell Schnee schippen J ) freute sich riesig
mit Niclas im Schnee zu spielen und Schlitten zu fahren... Also packten wir
Niclas warm ein und gingen in den Garten. Dort lagen 10 -15 cm Schnee und
alles sah wunderschön aus. Ich hatte Niclas an der Hand und nach wenigen
Schritten fing er furchtbar an zu weinen und konnte sich gar nicht mehr beruhigen,
wollte auf den Arm... Mit Müh und Not bekamen wir ihn dazu überredet
sich auf den Schlitten zu setzten und sich ziehen zu lassen. Wir hatten einfach
nicht bedacht was der viele Schnee für Niclas bedeutete. Geblendet worden
war er nicht, aber für ihn waren nun keine Konturen, keine Höhenunterschiede
nichts mehr zu erkennen. Für ihn waren keinerlei Unterschiede und Anhaltspunkte
zur Orientierung da und es war ja auch wieder ganz neu für ihn. An den
letzten Ausflug in den Schnee vor einem Jahr konnte er sich natürlich
nicht mehr erinnern.
Ein paar Tage später, als der Schnee schon ziemlich platt getreten war
und er ab und an schon mal ein paar Schritte durch den Schnee gegangen war
(vom Haus zum Auto) lies er sich zu einem kleinen Spaziergang überreden.
Da ging er ganz tapfer und vorsichtig an der Hand uns schien sich auch einigermaßen
wohl zu fühlen.
Nun ist Niclas 2 Jahre alt und unser ganzer stolz. Wir sind glücklich
über seine positive Entwicklung und absolut zuversichtlich was die Zukunft
angeht. Niclas Sehstärke ist deutlich besser geworden und liegt irgendwo
bei 20-30% und das ist sehr viel.
Im Sommer wird unserer zweites Kind auf die Welt kommen und wir sind gespannt
was uns da erwartet...